Oben ist wenig los

Ich habe dreißig Jahre lang in einem Bild gelebt, ohne es je wirklich angesehen zu haben.

Erfolg ist ein Berg. Man steigt schwitzend hinauf. Es ist anstrengend, und das gehört dazu, sonst zählt es nicht. Oben stehen die, die es geschafft haben, und sie stehen dort allein, weil oben wenig Platz ist. Wer als Zweiter ankommt, ist schon zu spät. Wer oben ist, sucht den nächsten Gipfel.

Dieses Bild steckt in fast jedem Ratgeber der letzten hundert Jahre. In den meisten Schulungen, die ich gehalten habe, steckt es auch. Und es hat einen Haken, den man erst oben bemerkt: Da ist außer Fels nicht viel. Trotzdem jagen viele dieser Metapher hinterher.


Beruflich weiß ich, was da passiert. Ein Bild ist nie nur ein Bild.

Thibodeau und Boroditsky haben Menschen dasselbe Kriminalitätsproblem vorgelegt, einmal beschrieben als Virus, einmal als Raubtier. Gleiche Stadt, gleiche Zahlen. Wer vom Virus las, schlug vor, die Ursachen zu untersuchen. Wer vom Raubtier las, wollte härtere Strafen. Die Lösung stand fest, bevor jemand nachgedacht hatte.

Das ist mein Handwerk. Während die meisten am Produkt schrauben, drehe ich an der Wahrnehmung des Produkts, weil der Rahmen entscheidet, welche Antworten überhaupt in Frage kommen. Ich verdiene Geld damit, solche Rahmen zu setzen. Aber, hier geht es um mehr.


Es gibt ein anderes Bild. Im Taoismus steht Wasser für das, was ohne Anstrengung wirkt.

Wasser fließt nach unten, weg vom Gipfel, ganz von allein. Es umgeht, was im Weg liegt, statt es zu bezwingen. Es wird auf dem Weg mehr, weil unterwegs anderes dazukommt. Und unten, wo es ankommt, liegt das saftige Tal. Dort wächst etwas. Dort ist Leben.

Auf dem Gipfel wächst nichts. Dort leben nur Ego, Status, Depression und Burn-Out.


Lao Tzu verweist sehr oft auf Wasser. Als eine grundlegende Metapher. Wie ich das umsetze? Wir werden sehen. Wie setzt du es um?

Oben ist wenig los

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