Momentan tauche ich tief in Taoismus ein. Durch WT Kung-Fu war ich immer schon damit verbunden. Aber jetzt will ich es wissen. Mindset ist wichtig und eine pur psychologische, neurologische Betrachtung ist mir hier zu flach.
Taoismus passt für mich aus vielen Gründen.
Ich glaube nicht an einen personifizierten Gott. Niemand sitzt irgendwo dort oben und überwacht uns. Stellt Regeln auf und hilft wenn er gerade Lust hat. Abgesehen von Leid und Tod auf der Welt, was ein liebender Gott wohl nicht tun würde, ist das Universum einfach zu groß.
Taoismus ist das genaue Gegenteil von konventionellen Religionen, sogar anders als Buddhismus. Es zeigt einen Weg in die Welt hinein. Damit ist es praxistauglich und alltags-tauglich. Das dahinterliegende Prinzip könnte man als Force of Nature bezeichnen. Naturgesetze, natürliche Energien und Gesetze. Nachvollziehbar, umsetzbar für mich.
Die Idee Wasser als Metapher zu nutzen ist genial und funktioniert. Ob es die WT Mottos sind, oder andere Wasser Analogien im Tao te Ching. Lao Tzu hat ein Leben lang beobachtet. Wasser war seine ultimative Metapher. Be water, my friend.
Das viele Ansichten und Metaphern im Taoismus dem normalen Weltbild, sei es religiös oder sonst wie etabliert, um 180 Grad widersprechen kommt meinem rebellischen Anteil sehr entgegen. Eine Lösung zu haben, die bestehende Weltbilder aushebelt gefällt mir.
Zum Beispiel das Bild, dass Erfolg einem Berggipfel entspricht, den man mühsam erklimmen muss. Gegen alle Schwierigkeiten, je steiler desto besser. Das man dabei unbedingt schnell sein muss. Ob man als Erster ankommt macht einen zum Sieger. Überhaupt muss es anstrengend sein. Hard work. Ja, es ist einsam, aber die Aussicht. Taoismus sieht das ganz anders.
Wasser fließt nicht bergauf, quält sich nicht zum Gipfel, sondern fließt ins Tal. Auf dem Weg verbindet es sich mit anderen Bächen, bildet Flüsse und Seen und nährt das Tal. Dort im Tal findet das Leben statt. Dort wachsen Bäume, Wälder, Gräser, Obst, Felder alles was Menschen, Lebewesen generell, zum Leben brauchen. Nichts kann das Wasser dabei wirklich aufhalten. Ein Felsblock? Es findet seinen Weg. Letztlich bildet es große Seen und erreicht schließlich das Meer. Vereint mit Milliarden Wassertropfen aus allen Richtungen. Dort liegt der Erfolg.
Ergänzt durch das Prinzip des Wu-Wei entsteht ein philosophisches Konstrukt, dass genau meinen Bedürfnissen entspricht. Ein Paradoxon, wie Wu-Wei welches immer neu gelöst werden will hält den Geist wach und alltagsverbunden. Kein starres Dogma, keine 10 Gebote. Ein Prinzip.
Tägliche Praxis ersetzt hier rituelle Meditationen. Spülmaschine ausräumen, oder das Büro aufräumen und in Ordnung bringen sind Hier und Jetzt Handlungen. Überhaupt wird das gesamte Leben Ausdruck eines gelebten Prinzips. Sei wie Wasser.
Morgendliche WT Formen und Tai Chi Übungen machen taoistisches Fließen spürbar und erfahrbar. Weich werden, fließend werden, beweglich werden, wie Wasser werden, auf körperlicher Ebene. Das diffundiert in den Geist und wird zum Prinzip.
